Je nach Anwendungssituation und Genauigkeitsanforderung stehen unterschiedliche Messverfahren für die Glukosemessung zur Verfügung. Regelmäßige Glukosemessungen erfolgen sowohl in der Heilkunde durch medizinisches Fachpersonal mit Labor- und POCT-Blutglukosemesssystemen (POCT: patientennahe Sofortdiagnostik) als auch durch die Menschen mit Diabetes selbst mittels Selbstmessung der Blutglukose und/oder mittels kontinuierlicher Glukosemessung (CGM).
Die Voraussetzung der selbstständigen Diabetestherapie
Die regelmäßige Blutzuckerkontrolle ist für Menschen mit Diabetes, die mit Insulin behandelt werden, ein fester Bestandteil der Therapie.
Ohne diese Selbstkontrolle ist keine Anpassung der Insulindosis möglich. Die Entdeckung der Blutzuckermessung ist ein Meilenstein in der Diabetestherapie. Durch die Blutzuckermessung wurde ein Selbstmanagement des Diabetes möglich. Auch Schulungsprogramme und Coachingansätze in der heutigen Therapie sind ohne Selbstkontrolle nicht denkbar.
Die Blutzuckermessung im Detail
Um einen Blutzucker zu bestimmen bedarf es eines Blutzuckermesssystems, welches aus drei Komponenten besteht: dem Blutzuckermessgerät, den Blutzuckerteststreifen und der Stechhilfe.
Es sind Abweichungen der Blutzuckermesssysteme vom Laborwert zulässig, wenn die Abweichungen bestimmte Grenzen nicht überschreiten. Dies ist in der DIN ISO Norm 15197/2015 festgelegt, die für die CE Kennzeichnung von den Herstellern zu beachten ist.
Die AGDT empfiehlt nur Blutzuckermesssysteme zu verwenden, die der aktuellen DIN ISO Norm entsprechen.
Bei einem Blutzuckerwert unter 100 mg/dl bzw. 5,5 mmol/l müssen 95 % der gemessenen Werte innerhalb eines Schwankungsbereichs von plus/minus 15 mg/dl bzw. 0,83 mmol/l liegen. Über 100 mg/dl bzw. 5,5 mmol/l müssen sie innerhalb eines Bereichs von plus/minus 15 % liegen.
Eine Institution, welche die Einhaltung der Norm überwacht, gibt es in Deutschland nicht. Ein Garant für Zuverlässigkeit und Messqualität ist das CE Zeichen nicht. Die Anwender sollten das Blutzuckermesssystem regelmäßig mit Kontrolllösung überprüfen.
Für eine qualitativ hochwertige Blutzuckermessung ist es notwendig, die Anwender im Umgang mit dem Messsystem zu schulen, um mögliche Fehlerquellen zu vermeiden. Eine detaillierte Übersicht bietet hier die Praxisempfehlung „Glukosemessung und -kontrolle bei Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes“.
Studien zeigen, dass eine Selbstkontrolle die Diabetesstoffwechsel-situation verbessert. Aktuell sind mehr als 100 verschiedene SMBG Systeme von mehr als 20 Anbietern verfügbar. Da fortwährend neue Geräte auf den Markt kommen, werden hier keine Angaben zu individuellen Geräten gemacht. Es gibt aktuelle Übersichten zu den Eigenschaften der SMBG Systeme. [1-3]
Wichtig: Die CE-Markierung an sich ist kein Gütesiegel und es erfolgt auch keine systematische Evaluierung der Messgüte dieser Systeme nach Markteinführung.
(1) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30376362/, (2) https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10210115/, (3) https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7039612/
Alle aktuellen Schulungsprogramme, die sich mit der Insulintherapie befassen, vermitteln unter anderem den Umgang mit Blutzuckermesssystemen. Die Einweisung und Schulung zu Blutzuckermesssystemen ist für die Genauigkeit der Messergebnisse entscheidend, da inkorrekte Handhabung der Messsysteme zu Qualitätseinbußen der Messgüte führen kann.
Eine Übersicht der DDG zertifizierten und strukturierten Schulungs- und Behandlungsprogramme ist auf der Homepage der DDG finden.
CGM-Systeme liefern kontinuierlich Glukosedaten aus dem Unterhautfettgewebe und ermöglichen so eine fundierte Therapieentscheidung im Alltag. Anwender sehen nicht nur den aktuellen Wert, sondern auch Trendpfeile und den Glukoseverlauf. Die Systeme bestehen aus Sensor, Transmitter und Empfangsgerät (meist Smartphone). Sie messen alle paar Minuten und machen Veränderungen frühzeitig sichtbar.
So entsteht ein umfassendes Bild der Glukoseentwicklung – für mehr Sicherheit, bessere Entscheidungen und eine individuell angepasste Therapie. Besonders der Umgang mit dem Trendpfeil ist von großer Bedeutung.
Studien zeigen, dass bei Nutzung des Trendpfeiles unbedingt der Kurvenverlauf, Zeitpunkt und Zusammensetzung der Mahlzeiten, die Insulinwirkung und die körperliche Aktivität zu berücksichtigen sind. Die DGPAED und AGDT haben daher in Kooperation ein herstellerunabhängiges Schulungsprogramm SPECTRUM zur kontinuierlichen Gewebezuckermessung entwickelt.
Die meisten verfügbaren CGM-Systeme sind für Therapieentscheidungen zugelassen.
Der Therapeutische Nutzen vom CGM wurde in verschiedenen Populationen nachgewiesen (1,2). Es zeigten sich eine HbA1c-Verbesserung (3,4) sowie eine Reduktion der Hypoglykämien (2,5,6).
(1) REPLACE-BG: A Randomized Trial Comparing Continuous Glucose Monitoring With and Without Routine Blood Glucose Monitoring in Adults With Well-Controlled Type 1 Diabetes (2) Real-time continuous glucose monitoring in adults with type 1 diabetes and impaired hypoglycaemia awareness or severe hypoglycaemia treated with multiple daily insulin injections (HypoDE): a multicentre, randomised controlled trial - PubMed (3) Glycaemic control in type 1 diabetes during real time continuous glucose monitoring compared with self monitoring of blood glucose: meta-analysis of randomised controlled trials using individual patient data - PMC (4) The effect of continuous glucose monitoring in well-controlled type 1 diabetes - PubMed (5) Effect of Continuous Glucose Monitoring on Glycemic Control in Adults With Type 1 Diabetes Using Insulin Injections: The DIAMOND Randomized Clinical Trial - PubMed (6) ontinuous Glucose Monitoring Versus Usual Care in Patients With Type 2 Diabetes Receiving Multiple Daily Insulin Injections: A Randomized Trial - PubMed
Aktuell befindet sich ein herstellerunabhängiges Schulungsprogramm für die kontinuierliche Glukosemessung auf dem Markt. Das Programm heißt SPECTRUM.
Bolusrechner unterstützen bei der Berechnung der Insulindosis zu Mahlzeiten oder zur Korrektur erhöhter Glukosewerte. Sie berücksichtigen individuelle Faktoren wie Kohlenhydrate, aktuelle Glukosewerte und bereits wirksames Insulin.
In Kombination mit CGM-Systemen können Bolusrechner noch präziser arbeiten, da sie aktuelle Glukoseverläufe und Trends einbeziehen und so eine besser abgestimmte Dosierung im Alltag ermöglichen.
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